Jahreskreisfeste und Keltische Mythologie

 

Jahreskreisfeste

Frühlingsanfang - Imbolc

Ca. am 1.-2. Februar wird Imbolc gefeiert, der Frühlingsanfang, das der Göttin Brigid geweihte Fest der Wiederkehr des Lichtes.
Imbolc ist ein irisch-schottisches Frühlings- oder Frühjahrsfest. Der Name leitet sich eventuell von „oimelc“ ab, was „Mutterschaf Milch“ bedeutet, was das Fest als Fruchtbarkeitsfest, als Fest der erstmals Milch absondernden Schafe zum Ausklang des Winters herausstellt.
Christianisiert ist das Fest mit Darstellung des Herrn und der heiligen St.Brigid verbunden worden. Aus dem irischen Volksbrauchtum ist überliefert, dass Brighid-Kreuze aus Stroh geflochten wurden sowie Reinigungsbräuche wie das Schmücken des Hauses mit frischen Birkenzweigen oder das Ausstreuen von Salz vollzogen wurden. Eine Brigid genannte Strohpuppe wird von den Menschen symbolisch bewirtet und wie beim historischen Fest der Berecynthia zur Segnung der Felder durch die Ortschaften getragen. In Teilen der französischen Pyrenäen wurde eine ähnliche Strohpuppe, genannt Rosetta, symbolisch mit einem Bären (einem verkleideten jungen Mann) vermählt. Auch in Deutschland ist zu dieser Zeit ein „Bärenbrauchtum“ mit Umzügen weit verbreitet.

 

Frühlings-Tag- und Nachtgleiche

ca. am 21. März ist die Frühlings-Tagundnachtgleiche, das zunehmende Äquinoktium. Es bezeichnet meteorologisch den Frühlingsanfang. Historisch gibt es kein keltisches Fest, das nachgewiesenermaßen zu diesem Zeitpunkt begangen wurde, jedoch wurde für die modernen heidnischen Frühlingsbräuche das schottische Osterfest „Latha na Cailliche“ zum Vorbild genommen.

 

Sommeranfang - Beltane

Die Nacht auf den 1. Mai ist Beltane, der Sommeranfang. Es ist ein irisch-schottisches Fest des Sommeranfangs und der Beginn des neuen Jahres. In Wales ist es auch als Cetsamuin oder „erster Sommer“ bekannt. Ihm entspricht grob das kontinentale Brauchtum zum ersten Mai sowie die Bräuche zur Walpurgisnacht. Aus der Geschichte ist kein keltischer Brauch zum ersten Mai bekannt, jedoch ist Beltaine ein traditionelles irisches Volksfest und wird manchmal mit dem altkeltischen Fest „Decamnoxtion“ verglichen, welches zu Ehren des Gottes Grannus  begangen wurde, dessen genaues Datum jedoch unbekannt ist. Es gibt aber auch die Berechnung nach dem Mondkalender, wobei dann Beltane auf den 5. Vollmond fällt. Dann kann das Fest - wie 2008 - auch auf den 20. Mai fallen.
Volkstümlich ist Beltaine als Feuerfest überliefert bei dem traditionell die Herden zur Segnung und Reinigung zwischen zwei Feuern hindurch getrieben wurden. Auch Mutproben wie Sprung oder Tanz durchs Feuer waren in früher Neuzeit noch sehr beliebt. Des Weiteren wurden zu Beltaine Märkte, Versammlungen und Gerichtstage abgehalten, die mit Tanz und Musik abgeschlossen wurden. Noch heute gibt es vielerorts Mai-Wanderungen, Tanz-in-den-Mai und den Brauch des Maibaums.
Die Neuheiden übernahmen Beltaine als Fruchtbarkeitsfest des Gottes Belenus der als Feuergott interpretiert wurde. Häufig werden auch andere Götter wie Lugh, Gwynn oder Aed mit ihm in Verbindung gebracht. Der Maibaum wird als Bile oder heiliger Baum und Welten- oder Lebensbaum angesehen sowie als phallischer Repräsentant für die maskuline Kraft der Sonne, die in den vaginal-symbolischen Blumenring an der Spitze eindringt, der für die weibliche Erde mit ihren nährenden Kräften steht. Manche sehen aber auch das Loch im Boden, durch den der Maibaum in die Erde eindringt, als femininen Aspekt an.

 

Sommersonnenwende - Alban Hefeyn

Die Nacht auf den 21. Juni (Sommersonnwende, Mittsommer) bezeichnet das Fest der Sommermitte und Sommersonnenwende. Historisch ist kein keltisches Mittsommerfest nachweisbar, jedoch feierten die Ostkelten im heutigen Kroatien zehn Tage vor der Sommersonnenwende die Heilige Hochzeit ihres Stammesgottes Toutanos  mit der Göttin Rigani. In Irland, wo die Mittsommernacht Oiche Fheile Eoghain genannt wird, werden traditionell Mittsommerfeuer am Hügel der Fee Aine entzündet und auf der Isle of Man zahlt man traditionell an diesem Tag die Steuer an Manannan  den Schutzpatron der Insel.

 

 

Lughnasadh - Spätsommerfest

Lughnasadh ist ein irisches Spätsommerfest, das jedes Jahr ungefähr im Zeitraum 1.-15. August gefeiert wird. Verwandte irische Feste sind unter anderem das Fest des Crom Dubh und der Puck Fair. Im angelsächsischen Raum sind ähnliche Feste als „Lammas“ (von „Loaf-Mass“ evtl. „Fest der Brotlaibe“) bekannt und stellen eine Art Erntedankfest dar. Auch auf dem Festland sind große Feste und Märkte zu diesem Zeitraum weit verbreitet (unter anderem das Schnitterfest als Erntebeginn und Kräuterweih), was wohl mit der Zeit der Ernte zusammenhängt und nicht auf den keltischen Kulturkreis beschränkt bleibt. Christianisiert wurden diese Festtermine mit Maria Himmelfahrt verbunden.

 

Winteranfang - Samhain

Volkstümlich ist Samhain die Nacht auf den 1. November, der Winteranfang, in Teilen Irlands das wichtigste Fest, aus dem Halloween  entstand. Es gilt als Fest des Spätherbstes, als Mitte des keltischen Jahres, und als Fest der Toten, bei dem die Tore zur Anderswelt offenstanden und die Sidhe die Welt der Sterblichen besuchten und Sterbliche sich in die Welt der Sidhe verirren konnten. Die weit verbreitete These, es sei das Fest des keltischen Jahresanfangs, geht auf John Rhys zurück; seine Behauptungen sind allerdings wenig schlüssig, der Jahresbeginn war wohl, wie überall bis zur Einführung des Julianischen Kalenders, der 1. oder der 25. März, wie auch heute noch am Osterfest das christliche Kirchenjahr beginnt. Das Fest entspricht weitestgehend dem gallischen „Trinox Samonis“ welches von den historischen Kelten Anfang November begangen wurde und auch im Kalender von Coligny erwähnt wird. Im ehemals germanischen oder keltisch-germanischen Raum ist traditionell der 11. November das wichtigere Datum. Bei den Schotten entspricht Samhain weitestgehend dem Fest „Féile na Marbh“ sowie in Wales „Nos Galen-gaeof“. Christianisiert entspricht das Samhain Fest Allerheiligen  und Allerseelen.
An Volksbrauchtum ist die Dekoration des Hauses mit Symbolen des Todes wie Weidenzweigen und Kürbissen (früher Steckrüben) und anderen Pflanzen überliefert, Backwerk (in Teilen Englands in Form von Hirschgeweih) des Weiteren mantisches Brauchtum wie Bleigiessen und festliche nächtliche Umzüge mit Laternen oder Fackeln. In Irland wurde vor Samhain auch Gericht gehalten und im Mittelalter Todesurteile vollstreckt. Die Ulstersage erwähnt das Berühren eines Erhängten als Mutprobe, was häufig als Überbleibsel heidnischer Menschenopfer gedeutet wurde.
Die neuheidnischen Bewegungen übernahmen weitgehend die überlieferten Volksbräuche, ersetzten jedoch das christliche Element durch heidnische Gottheiten. Gottheiten die heute von Neuheiden zu Samhain verehrt werden sind unter anderem der Gott Esus (als Gott der Gehenkten), Cernunnos (aufgrund der Geweihsymbolik), die Morrigan oder Badb sowie das Paar Samhain und Sawan als Totengötter und Verkörperungen des Samhainfestes.

 

Mittwinter - Wintersonnenwende

Dieses Fest findet immer etwa am 21. Dezember (Wintersonnwende) statt, dem kürzesten Tag des Jahres. Das Fest geht auf irische und schottische Feuerfeste zur Mittwinterzeit zurück die in Irland und Teilen Schottlands Dubluachair genannt wird. Es ist unklar, ob es sich hier um alte keltische Bräuche handelt oder ob diese Feste vielmehr auf die Wikingerzeit zurückgehen. Von den historischen Kelten ist kein Mittwinterfest überliefert, jedoch merkt der Kalender von Coligny in der Nähe der Wintersonnenwende die Festtage „Deuorius Riuri“ und „Mapanos“ an, der mit dem Namen des Gottes Maponos verbunden wird.
Das Neuheidentum übernahm volkstümliche Sitten wie den Feuerumzug oder das Mittwinterfeuer sowie die schottische Tradition die „Corn Maiden“ (eine Puppe, die aus den letzten Garben der Ernte eines Feldes gebunden wurde) bis zur Mittwinterzeit aufzubewahren um sie dem Vieh zu verfüttern, damit dieses durch das nächste Jahr gesättigt ist, und verband sie häufig mit insularen Neujahrsbräuchen wie dem walisischen Umzug der Mari Lwyd oder dem schottischen Hogmanay-Brauchtum. Die Neo-Druiden und Wiccaner nennen Mittwinter auch „Alban Arthuan“ oder „Alban Arthan“, eine Bezeichnung, die sich zuerst bei Iolo Morganwg findet. Germanisch orientierte Neuheiden sowie einige Wicca-Traditionen und keltisch-germanische Mischkulte verwenden dagegen die Bezeichnung Jul.


 

       Allgemeines zur Keltischen Mythologie

Die antiken Berichte über die Mythologie der Kelten sind äußerst bruchstückhaft und häufig politisch verfälscht worden. Daher sind die Überlieferungen der sogenannten „Inselkelten“ aus dem Früh- und Hochmittelalter die wichtigsten Quellen der sogenannten „keltischen“ Mythologie. Die auf linguistische Theorien des 18. und 19. Jahrhunderts zurückgehende Bezeichnung der vor-angelsächsischen Bevölkerung der britischen Inseln, Irlands und der Bretagne als „Insel- oder sekundäre Kelten“ ist inzwischen stark umstritten. Eine Einwanderung keltischer Bevölkerungsteile vom Kontinent auf die Britischen Inseln lässt sich aus antiken Quellen und archäologisch nicht nachweisen. Auch die in der Sprachwissenschaft (Keltologie) diskutierten indirekten bzw. rein sprachlichen Einflüsse, die die Britischen Inseln in spätantiker und frühchristlicher Zeit erreicht haben sollen, werden inzwischen bezweifelt.

Ein weiteres Problem der inselkeltischen Überlieferungen besteht darin, dass sie über lange Zeit in Form von Sagen, Gedichte und Gesänge von Barden  nur mündlich weitergegeben wurde. Im Laufe dieser mündlichen Überlieferung veränderten sich die Inhalte der zu Grunde liegenden Mythen und nahmen Einflüsse spätantiker (römischer) und frühmittelalterlicher (vor allem wikingerzeitlicher und christlich-angelsächsischer) Quellen auf. Erst zu Beginn des Hochmittelalters wurden die bis dahin mündlich überlieferten Sagen, Gedichte und Gesänge von christlichen Mönchen und christlich-höfischen Dichtern aufgeschrieben und dabei mit biblischen Überlieferungen oder früher ritterlicher  Tradition verschmolzen. Dabei wurden die überlieferten Texte teilweise stark christlich umgedeutet und veränderten sich nochmals. Ob die den auf den britischen Inseln, in Irland und der Bretagne überlieferten, und von der Sprachwissenschaft als „keltische Mythen“ bezeichneten Sagen, Gedichte und Gesänge überhaupt auf die antike Mythologie der Kelten zurückgehen, ist daher mehr als zweifelhaft. Trotz aller Zweifel an ihrer Authentizität bieten die sogenannten „keltischen“ Mythen einen interessanten Einblick in die früh- und hochmittelalterliche Sagen- und Gedankenwelt der Britischen Inseln und Irlands.
Die Ursprünge der sogenannten „keltischen“ Mythologie sind wohl in den religiösen (wahrscheinlich animistischen und totemistischen) Vorstellungen der mitteleuropäischen Bronzezeit zu suchen. Daneben spiegeln sich zahlreiche lokale Einflüsse und äußere Einflüsse unterschiedlichster Herkunft und Zeitstellungen in den überlieferten Texten.

Die Musik

Dass die Kelten musizierten, ist zwar durch Texte griechischer Schriftsteller belegt, Art, Harmonie und Klang sind jedoch verloren gegangen. Von archäologischen Funden und von Darstellungen auf römischen Reliefs kennt man das Aussehen der Carnyx, einer Art Trompete. Verschiedene keltische Münzen bilden Saiteninstrumente ab, die den antiken griechischen Instrumenten Lyra und Kithara  ähneln. Die Statue eines Mannes mit einem derartigen Saiteninstrument in den Händen wurde 1988 bei Ausgrabungen in der keltischen Festung von Paule-Saint-Symphorien in der Bretagne gefunden. Die heute als keltisch bezeichnete Musik wurde erst ab dem 17. Jahrhundert niedergeschrieben. Es handelt sich um die traditionelle Musik Irlands, Schottlands und der Bretagne, aber auch von Auswanderern aus diesen Gebieten wie z. B. auf Cape Breton (Kanada). Ob es sich dabei allerdings um Überreste der Musik der historischen Kelten handelt, muss stark bezweifelt werden.

 

 

 

 

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